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schon seit tagen will ich einen eintrag verfassen, aber ich weiss beim besten willen nicht, was ich schreiben soll. ich sitze minutenlang vor einem weißen eingabefeld und frage mich, wie sich eine schreibblockade wohl anfühlt

tage wie dieser

ich habe mich irgendwie auf einen lässigen rhythmus eingeschossen, welcher früh aufstehen beinhaltet. und damit meine ich zuweilen wirklich früh. an einem normalen arbeitstag inklusive uni wie heute muss ich ja um sechs ausser haus gehen. doch schon um halb sechs fertig sein mit allem – duschen, frühstücken, radiohören, anziehen, zeitung von gestern lesen … das scheint selbst mir nun irgendwie eigenartig.
was macht man in so einem fall?

man könnte zum beispiel einfach sitzen bleiben und weiter radiohören.
man könnte auch die zeitung von vorgestern nochmal durchlesen.

man kann aber auch eine halbe stunde früher als gewöhnlich ausser haus gehen, sich einen thermobecher voll kaffee mitnehmen und spazierengehen. man kann einfach mal losmarschieren und diverse verkehrsmittel auslassen zum beispiel.

das nette daran: ganz ganz wach zu sein, läßt einen den morgen ganz anders wahrnehmen. du sitzt nicht mit verquollenen augen neben einem stinker in der bim und fragst dich, ob die gute alte tradition des sich-morgens-duschens wohl am aussterben ist.

du bist tatsächlich wach, du siehst halb schlafende teenager rumlümmeln, du siehst putzfrauen von der nachtschicht kommen, du siehst mütter und väter ihre quengeligen kleinkinder besänftigen.

und wunderbar duftene dampfschwaden dringen von den bäckereien raus auf die straße.

ich habe versehentlich zu rauchen aufgehört

ich habe mir vor einer weile angewöhnt, tabak zu rauchen. nil-tabak, der ist okay. weil der aber stark ist, ist mein konsum über die letzten wochen immer weniger geworden, ohne dass ich es wirklich gemerkt habe. ich hab mir trotzdem am wochenende immer ein packl tschick gekauft. ein kleines „belohnungsritual“ oder so. das packl hab ich dann standardmässig innerhalb von ein paar stunden weggepofelt.

ein weiteres ritual von mir: zur donau gehen und in der sonne sitzend eine pofeln. entspannend, wohltuend und gemütlich. nun hab ich mir gestern ein packerl zigaretten gekauft – wie an den vergangenen wochenenden auch und irgendwie vergessen, gleich eine zu heizen. nicht verwunderlich, denn ich hab in der letzten woche nur alle zwei tage mal einen leicht gedrehte konsumiert. als ich heute das ungeöffnete packerl tschick in meiner tasche sehe, will ich zur donau gehen und eine rauchen. denn zu hause rauche ich nun kaum mehr.

ich wandere mit dem kaffeehäferl an den donaustrand und sitze da ein weilchen. ah, rauchen, genau. die warme sonne kitzelt meine nase, da merke ich plötzlich, dass ich nicht inhaliere, sondern nur paffe. die zigarette ist erst halb durch.

erstaunlich.

ich werfe die zigarette in den fluß und gehe wieder ins haus.

und da denk ich mir noch, über den hinsenkampplatz geh ich doch so ungern …

um dreiviertel sieben komme ich von der hauptstraße her richtung hinsenkampplatz. ich habe „hard to beat“ im ohr und versuche, den hinsenkampplatz lieber schnell hinter mir zu lassen. ich mag schon die immer irgendwie angepisst riechende unterführung nicht, auch den platz mag ich nicht.
hier wurde ich schon öfter angequatscht. und angetatscht wurde ich hier auch schon mal von einem typen, der mir zwar immer wieder „i like you“ beteuerte, mir dennoch ziemlich unheimlich war, als ich in der nacht alleine nach hause ging.
ich versuche seither, diese teil urfahrs zu meiden und hintenrum an der stadtwerkstatt vorbei und an der donau entlang nach hause zu gehen. man weiß ja nie. kann ja sein, dass sich ein kerl mal nicht davon abwimmeln läßt, wenn ich anfange, von meinem fake-„boyfriend“ zu erzählen.

ich gehe also mit tunnelblick richtung rudolfstraße, als mir plötzlich auffällt, dass ich mitten durch eine menge von angewurzelt stehenden passanten gehe. ich ziehe einen ohrenstöpsel raus und bin seltsam befremdet: ist das jetzt ein tumult, oder wie?

unmittelbar vor mir lehnt sich ein mann auf die betonmauer. ich mache einen bogen um ihn, um die szene so schnell wie möglich zu verlassen und bevor ich kapiere, was da grad abgeht, setzt sich der mann nieder und schreit.
ich verstehe kein wort.
als sich der mann vornüber beugt, schiebt er mit der rechten hand sein hemd hoch.
blut.
viel blut. über den ganzen rücken.
ein typ neben ihm fuchtelt rum und schreit ebenso.
er schreit in sein handy.

ich kriege es plötzlich mit der angst zu tun. als ich den zweiten ohrenstöpsel rausziehe, höre ich schon das folgetonhorn.

ich lege einen zahn zu und biege in die rudolphstraße.
ich sehe mich nicht um und frage mich, ob ich eine feige sau ohne zivilcourage bin.

mehr dazu auf ooe.orf.at

so richtig unlässig:

am samstag um 20 vor 6 aufstehen müssen, weil man frühschicht hat im callcenter. du wachst auf, es ist zu deiner überraschung stockfinster. als du deinen letzten frühdienst gemacht hast, war hochsommer und jetzt, da es schon zu herbsteln beginnt, macht dich der dunkle tagesbeginn völlig fertig.

nebelschwaden ziehen über die donau, als du aus dem haus in die klare luft trittst. (ist das die blaue stunde, kann das sein?) überraschend wach machst du dich auf den weg zur straßenbahn. drei stunden schlaf scheinen ausnahmsweise mal ausreichend zu sein.

es erstaunt dich, dass außer dir auch noch andere menschen in der straßenbahn sitzen und offensichtlich arbeiten gehen. wer macht sowas an einem samstag freiwillig? um 10 nach 6?? du stellst dir die lebensumstände dieser menschen vor. vielleicht sind sie genau wie deine. du fährst an betrunkenen teenagern vorbei, die auf den bänken der bimstationen schlafen. du wünschst dir wieder einmal eine durchzechte nacht.

doch du findest es plötzlich nicht mal schlecht, die stadt aufwachen zu sehen. die flohmarktstandler sind auch schon wachen und packen ihren krempel neben die ars-skulpturen von theo jansen am hauptplatz. interessantes kontrastprogramm und irgendwie skuril.

du steigst aus der bim und kletterst mit schlaf in den knochen die treppen zum bus hoch. der busfahrer wartet, als er dich sieht. der typ auf der rückbank drückt den knopf und öffnet dir die türe. er lächelt. noch eine erkenntnis: morgenmenschen sind höflich!

fast schon beschwingt checkst du dir ein frühstücksweckerl und einen großen kaffee. 12 stockwerke später stellst du im büro den radio auf fm4 und schiebst dir das weckerl zwischen die zähne.

bring it on.
ruft mich an, ihr chellokunden da draußen.
ich werde freundlich sein, ich bin milde gestimmt.
ich bin sowieso eine höfliche callcenterfrau.
.
.
.
aber diese vormittagsflaute bringt dich um.

ikea wieder mal, weil wohnzimmerwand ein bissi adjustieren

ich setze mich auf sofas, prüfe pölsterchen mit gekonntem griff, ich schlendere durch wohnwelten und suche nach inspiration und günstigen schnäppchen, als mich plötzlich die nette dame im lautsprecher aus meiner edwardnorton-ikea-fightclubanfangssequenz reißt:

„frau haunschmid, bitte ins kinderparadies“

erschrocken, seltsam verwirrt und gestresst zugleich bleibe ich wie angewurzelt stehen und traue mich kaum atmen. ich sehe mich mißtrauisch um.

verarscht mich hier jemand?
versteckte kamera etwa?
hab ich mein kind irgendwo unabsichtlich stehenlassen?
hab ich überhaupt ein kind?

alles berechtigte fragen, wie ich meine.

und ich werde bestimmt irgendwann mal mein kind im ikea bällchenbad vergessen. aber dann wird mein treusorgender ehegatte, ein wahrlich schöner und intelligenter mann, der mich und unsere drei kinder abgöttisch liebt, schon zur stelle sein. er wird das trenzende kind in den anthrazitfarbenen familyvan tragen, mir dann die große topfpflanze abnehmen und mich und das kind beruhigen, dass das ja alles nicht so schlimm war, und dass selbst der perfekteste elternteil mal einfach sein kind wo stehen lässt, ohne böse absicht.
ach.
und mein kind wird zu weinen aufhören.
und ich werde nicht mehr hysterisch sein.
ich hätte echt keinen besseren mann finden können.
er ist wie supermann, bloss in echt halt.
.
.
.
ich bin nicht hingegangen, ins kinderparadies.

was bisher geschah …

ich grüße euch, spatzis!
jetzt hab ich die vodafone-gprs-karte endlich auf meinem rechner installiert, daher gibts mal kurz einen kleinen zwischenstand meiner bisherigen eindrücke …

seit ich in belgrad auf die negrelli zugestiegen bin – und der start meiner reise war ja denkbar schlecht (mnd_ hat euch bestimmt informiert …) – tja, seither erkenne ich mich fast nicht wieder. ich möchte euch nicht mit irgendwelchem psycho-esoterik-scheiss langweilen, doch ich bin irgendwie grad dabei, mich selber zu finden. komisch, ich weiss. so weit weg von zu hause und mir reißts einen film rein. naja, im grunde reißts mir ja auch nicht wirklich einen film rein – doch seit ich zugestiegen bin, haben wir hauptsächlich geankert und nicht an irgendwelchen häfen oder minianlegestellen angelegt – dh, man fährt einen tag lang, soweit man kommt, schmeisst dann am frühen abend den anker raus und „parkt“ mitten in der donau für die nacht. nur mit einem boot kann man die negrelli verlassen. „könnte“, vielmehr – man ist ja mitten im gemüse, keine zivilisation weit und breit … denn belgrad ist eigentlich die letzte richtig große stadt auf unserem weg – alles andere sind nur mehr kuhkaffs entlang des flusses … und was will man hier machen, wenn man kein projekt für die reise hat, weil alles schon mit ablegen erledigt war? ausser sich selber zu suchen und hoffentlich zu finden, bleibt einem da nur sonnenbaden, abkühlen, sonnenbaden, und sonnenbaden. und gut einschmieren mit babycreme, die schutzfaktor 50 hat. mein zeitgefühl hab ich bei der ersten gesichtkontrolle der eingangsrevision abgegeben. und bisher bietet mir die negrelli und seine bewohner genug abwechslung für einen ausgefüllten tag.

das schiffsleben selber sagt mir ausgesprochen zu. ich stehe eigentlich durchwegs früh auf – zwischen 6 und acht uhr früh, egal, wann ich zu bett ging – heute sogar mit nur 1 stunde schlaf im schädel. ich liebe es, auf dem steuerstand (=kommandobrücke) an deck zu schlafen. eine handvoll leute macht das seit ein paar tagen, denn das wetter ist endlich gut genug, um (trotzdem noch dick eingemümmelt) draussen zu pennen.

ich hatte schon küchendienst mit harry (freundenthaler, der mann von der local-gerti) und letzte nacht hab ich nachtwache geschoben, ebenfalls mit harry. nachtwache auf einem schiff schieben, das in einem rumänischen dorf angelegt hat und wo windige typen am dock entlang lungern, das ist aufregender, als man vielleicht glauben mag *ggg*. die harten kerne hier am schiff lösen sich sowieso frühestens um drei oder vier uhr früh auf, also muss die nachtwache „nur“ die zeit totschlagen, bis der erste verlässliche morgenmensch wieder aus den federn kriecht. in unserem fall war es heute nacht so, dass wir ab 4 alleine an deck waren und uns mit kaffee, rundgängen am schiff und gesprächen über das leben und die liebe wachgehalten haben. um 8 uhr standen dann die ersten auch schon wieder auf.

die letzten zwei tage haben wir in calafat angelegt. calafat ist ein dorf in rumänien, und hier bildet die donau die grenze zwischen rumänien und bulgarien. in calafat gibts genau GARNIX. nicht ausphaltierte straßen, kinder, die mit steinen nach dir schmeißen, wenn du kein kleingeld rausrückst … irritierend. wir hatten eigentlich heute vor, auf die andere seite der donau, ins nur 10 minuten entfernte vidin in bulgarien zu wechseln, doch es kam anders: man ließ uns nicht anlegen, weil wir nicht gewillt waren, die unglaublich hohe summe für die eingangsrevision (zollkontrolle) zu bezahlen. whatever. wir fahren also weiter und das nächste stück der strecke wird wieder von einigen tagen ausschließlich am schiff, ohne landgang, von ankerkettenrasseln und fahrtwind bestimmt sein. schaut einfach mal auf der webpage des flagship rein und schaut euch unter EVENTS / DETAILS die karte an, damit ihr seht, wo ich mich gerade aufhalte. im moment eben zwischen vidin und ruse.

ich werde mich von der reise vermutlich auch nicht so oft melden können. ich bitte euch, mir das nachzusehen, es wird einige schöne fotos geben, wenn ich wieder zu hause bin … soviel schon jetzt als entschädigung …

liebe grüße jedenfalls! meldet euch mal bei mir, denn sofern wir handynetz haben (im moment für mich sündteures bulgarisches netz), kann ich sms‘ empfangen!

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