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ja was soll ich denn noch tun, um meinen rhythmus wieder zu ent-callcentern?

um zwei morgens mit flottem damenspitz ins bett zu fallen reicht offensichtlich nicht aus, um meine uhr wieder ein bissl auf slacker umzustellen.

damn.

ich will am sonntag eh ned bis zwölf uhr schlafen, die wilden teenagerzeiten sind ja gottseidank vorbei – aber komm hey, geht nicht mal wenigstens wieder acht uhr?

morgens

so schnell kanns gehen …

nach wochenlanger flaute im callcenter isses nun (vorläufig) fix, dass uns die line abgedreht wird und wir das projekt verlieren, das ich seit (fast) 3 jahren telefoniere.

dass es so schnell geht und ich praktisch heute schon meinen job los bin, das kommt allerdings ein bissi gach … ich bin ja grundsätzlich keine freundin von schnellen entscheidungen. sowas zieht mir häufig den teppich unter den beinen weg …

fairerweise muss ich sagen, dass alle collegas, die diese line mit mir telefoniert haben nun auf andere projekte aufgeteilt werden, und ich natürlich auch diese option hatte. aber ich hab mich gegen einen wechsel entschieden. für mich keine einschulung in einem anderen käsigen projekt, thank you ma’am! wie es ausschaut, bin ich die einzige, die geht.

weil das projekt schon mit ende dieser woche gestrichen wird und ich heute meinen letzten dienst in dieser woche hab, wird in zweieinhalb stunden für mich das kapitel callcenter nach fast vier drei jahren geschlossen.

kann nicht sagen, dass mich das wahnsinnig betrübt.

ps: hat jemand einen lukrativen job für mich mit kranken-, pensions- und arbeitslosenversicherung sowie urlaubs- und weihnachtsgeld? ich hab so das gefühl, dass ich nach diesen vier jahren gern mal wieder die vorzüge einer fixen anstellung genießen würde. freie dienstverträge grenzen an sklaverei … aber what the hell! i’m outa here!

besoffene prank-calls sind ja keine seltenheit …

… wenn man um sieben in der früh im callcenter sitzt.

alle rufen sie an – die blöden kinder, die besoffenen teenager, und auch all jene, die sich am morgen zu einer frauenstimme einen runterwixen möchten (kein schmäh, das passiert gelegentlich).

wenn also herr trinkaus der erste anrufer am samstag morgen ist – 07:05! hat man da nix anderes zu tun, als nicht fernsehen zu können?!? – dann geht man zuerst von einer mutprobe von ein paar 14jährigen aus, versucht aber durchaus, freundlich zu bleiben.

wenn sich dann herausstellt, dass es tatsächlich um die 20 personen mit diesem nachnamen in wien gibt, dann muss man sich eingestehen, dass sowas wohl eher in die kategorie „lustige namen“ fällt :D ist glaub ich auch nicht so leicht, mit so einem namen und verschlafener stimme des morgens eine hotline wegen eines technischen probelms bemühen.

by the way, es gibt auch eine frau trinkaus, die mit vornamen gerda heißt …

nice one!

du merkst, dass dein leben im grunde total laff geworden ist …

… wenn du am samstag früh um 06:15 in die arbeit gehst und deine freunde (kann ich euch überhaupt noch so nennen?) triffst, die gerade am nachhauseweg vom fortgehen sind. und du nicht mal lust hast, selber bis 06:15 fortzugehen, weil du ja schon um halb elf uhr vor dem fernseher einpennst.

jeden abend.

damn.

darum sollte man mit 31 jahren vermutlich ein paar kinder haben, die einen auf trab halten, weil sich selber auf trab halten, irgendwie macht man das nicht – auch wenn man sich’s vornimmt …

wenn der arbeitskollege bier bringt, …

it is not too bad if you have the late shift at work on dec 31 ...

… dann ist selbst die spätschicht in der hackn am silvesterabend ziemlich nett.

wie ätzend

am nationalfeiertag um 7 uhr früh halbkrank und ganz alleine in der arbeit zu sitzen, wo doch der erste anrufer nicht vor 9 uhr lästig sein wird …

scheinselbstständigkeit

… Callcenter wollen 10.00 Jobs abziehen
Mit einer Drohung der österreichischen Callcenter-Betreiber erhält die Thematik noch weiter Brisanz: Sie drohen wegen einer geplanten Vereinbarung, wonach normal beschäftigte Mitarbeiter künftig angestellt werden müssen, mit dem Abzug von tausenden Arbeitsplätzen aus Österreich.
Von 30.000 Call-Center-Jobs in Österreich dürften 10.000 ins Ausland verlagert werden, sagte Thomas Kloibhofer, Chef des Unternehmens Competence Call Centers (CCC), in einem Interview mit der „Presse“ (Freitag-Ausgabe).
Die Sozialpartner verhandeln seit Ende Juni über eine solche Vereinbarung. Laut Gewerkschaft hat die österreichische Callcenter-Branche rund 10.000 freie Mitarbeiter, wovon rund 8.000 wie Angestellte beschäftigt seien sollen. Wirtschaftskammer und Gewerkschaft haben angekündigt, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber weitgehende Rechtssicherheit schaffen zu wollen…
interessant, zumindest für mich als callgirl im CCC … mehr auf orf.at

nachtrag: meine meinung zum thema

zum einen kommt mir als studentin die freie zeiteinteilung natürlich ausgesprochen entgegen. brauche ich mal unverhofft 2 wochen frei, dann teile ich mir halt keinen dienst ein. was das bei 7,23 brutto an weniger einkommen ausmacht, kann man sich ausrechnen.

zum anderen ist die sache mit dem nichtversichertsein schon ein problem.

als ich vor einem jahr um mein selbsterhalter-stip angesucht hab, stellte ich erschrocken fest, dass ich zwar seit 10 jahren arbeiten gehe, aber nur mit müh und not auf die geforderten versicherungszeiten und verdienste kam.

stolperstein: man muss zumindest 48 monate einkünfte bezogen haben, welche jährlich mindestens 7.272 euro betragen haben.

vier jahre arbeit? kein problem!
dachte ich jedenfalls.

dass ich den großteil meines berufstätigen lebens in geringfügigen oder so-lala-beschäftigungsverhältnissen gearbeitet habe, hat mir beinahe das genick gebrochen. dass ich dabei kaum korrekt versichert und angemeldet war, war mir nie bewusst.

ich hatte ja arbeit.
und ich hab ja geld verdient.

bewusst war mir auch nicht, dass ich mehr als 6 jahre von der hand in den mund lebte, und das eigentlich unter der vielzitierten armutsgrenze.

erstaunliche erkenntnis, ehrlich gesagt. ich habe genau einmal in meinem leben mehr als 850 euro monatlich verdient, und das war, als ich als programmiererin, wo ich sonst halbtags arbeitete (wegen des informatik-studiums), einen sommer lang mal voll angestellt war.

ich hab zwar trotzdem immer ein bissi was sparen können, aber diese ersparnisse sind blitzschnell draufgegangen, als ich wieder zu studieren anfing und wegen den 3 semestern informatik kein anrecht auf stip hatte.

es ist nicht nur ernüchternd, dass von 10 jahren arbeiten gehen nur knapp 4 jahre „wertvoll“ waren. arbeits- und sozialrechtlich gesehen. nicht auszudenken, wenn ich in meiner situation schwanger werden würde. ich würde dann nur mehr die möglichkeit haben, notstandshilfe zu beantragen, man stelle sich das mal vor. auf alle anderen finanziellen zuwendungen hätte ich keinerlei anrecht, weil ich nicht genug versicherugsmonate vorweisen kann.

es ist ernüchternd, dass von 10 jahren arbeiten gehen kein cent auf der hohen kante bleibt, sondern im endeffekt auch noch schulden entstehen, an denen ich jetzt noch kiefel.

ich kann mir garnicht vorstellen wie es sein muss, mehr geld im börserl zu haben, als die rechnungen ausmachen. aber ich kann alle meine ausgaben, auch so luxuriöse sachen wie „internet“ oder „zigaretten“ mit meinem einkommen abdecken.

„urlaub fahren“ ist da allerdings nicht drin. oder „auto kaputt“.

zwei wochen urlaub heißen in meinem leben nicht, das urlaubsgeld auf den kopf zu hauen, sondern bei mir heißt das, 300 euro weniger verdienen zu können, weil ich ja wegfahren will und in der zeit nicht arbeiten gehen kann. und „auto kaputt“ heißt für mich „straßenbahnfahren“. „laptop tot“ heißt „keinen neuen laptop kaufen“.

urlaubsgeld? was war das nochmal? ich hab seit 6 jahren kein urlaubs- und weihnachtsgeld mehr gesehen. muss voll cool sein, zweimal im jahr „einfach so“ doppelt soviel kohle am paycheck zu haben.

was würd ich wohl damit machen?! wow, das wäre definitiv ein highlight! ich würde mir sofort einen neuen lappy kaufen. so muss ich halt sparen. in 6-8 monaten kann ich dann vielleicht mal drüber nachdenken anfangen. dann hab ich vielleicht 500 euro auf die seite schaffen können.

ich bin aber nicht unzufrieden mit meinem leben. ich mach genau das, was ich will. ich rauche wie ein schlot und kauf mir oft dvds, bücher und zeitschriften. ich hab eine geile digitalkamera und zwei rechner (von denen zugegebenermaßen einer alt und einer eh tot ist). ich lasse mir einmal in der woche lebensmittel vom biohof liefern. ich hab alle luxusgüter, die ich brauche.

in meinem alter denken die meisten menschen wohl drüber nach, sich die erste eigentumswohnung anzuschaffen. ich denke darüber nach, ob ich mir in 10 monaten, nach hartem sparen, einen neuen laptop kaufen kann. sofern nichts anderes finanziell ungeplantes dazuwischenkommt. wie zum beispiel ein teurer zahnarztbesuch. mehr ist mit zirka 850 euro monatlich, von denen 606 aus einem stipendium bestehen, einfach nicht drin.

„live your dream“ hat also durchaus seinen preis.

aber ich bin bestimmt nicht die einzige, der’s so geht. noch mehr zum thema, die sache mit den callcenter-arbeitsverträgen scheint ein wenig zu eskalieren: gewerkschaft vs. callcenter

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