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lesenswert, nachdenkenswert

being poor“ kursiert seit einigen tagen in der blogszene.

einige der aufgezählten dinge kenne ich nur zu gut. damit bin ich aufgewachsen. aber arm sein? gut, reich waren wir nie. wie auch? mit einem wenig lukrativen knochenjob hat mein vater die fünfköpfige familie versorgt. später ist auch meine mutter arbeiten gegangen. mit den scheissjobs, die sie gemacht hat, hat sie sich vermutlich ihre gesundheit ruiniert.
wir kinder haben einige schlimme sachen erlebt, als manchmal das geld einfach nicht reichte. ich habe meine mutter oft weinen gesehen deswegen. sowas prägt.
trotzdem hatten wir (klassisch!) ein dach über dem kopf und zu essen. wir haben die kleidung von freunden und verwandten aufgetragen, die die kleiderschränke ihrer kinder ausgemistet haben. das fühlte sich nicht wie almosen an, das war wie am bazaar zu sein und sich die coolsten sachen rauszusuchen. du lernst einfach, genügsam zu sein.

erst rückblickend gesehen frage ich mich, wie meine eltern es trotzdem geschafft haben, allen ihren kindern eine fundierte ausbildung zuteil werden zu lassen. meine eltern haben bestimmt mehr verzichtet und gelitten. vor allem schulanfänge müssen hart gewesen sein – es war wie weihnachten und geburtstag zusammen, wenn alle drei kinder neu eingedeckt werden mussten, neue buntstifte kriegten und machmal auch den eigentlich nicht nötigen bunten radiergummi oder den eigentlich überteuerten dosenspitzer. ich bin mir sicher, den haben sich meine eltern vom mund absparen müssen.
ich hatte selten das gefühl „arm“ zu sein, als ich aufwuchs. vielleicht waren wir relativ arm und nicht absolut arm.

und arm sein heutzutage? klar bin ich noch immer arm!
aber ich bin generell auch genügsam und meine wertigkeiten liegen jenseits von eurozeichen und geldscheinen.

ich habe 2 jahre mit 500 euro im monat gelebt. da musst du unweigerlich schulden machen, wenn schon 300 für die miete draufgehen. die armutsgrenze in österreich liegt bei 785 euro, und ich war mehr als nur ein kleines bissi drunter. aber ich habe mich keinesfalls arm gefühlt. es ist mir kaum aufgefallen, dass ich mir 2 jahre keine neuen schuhe kaufen konnte und ich seit 4 jahren keine winterjacke besitze. und es stört mich nicht.

aber auch zu meinem heutigen lebensstandard finde ich einige nette analogien in „being poor„:

beeing poor is … billige autos fahren müssen, weil das die einizigen sind, die du dir leisten kannst. und dann gibt die karre den geist auf, weil billige autos einen scheissdreck wert sind … (oh, moment, isch abe (zur zeit) garkein auto!)

es hat eine zeit gegeben, da hatte ich ohne grosse anstrengung 16.000 schilling netto für 30 stunden. und kurz später hab ich weniger als geringfügig verdient, und ich war weitaus zufriedener mit mir und meinem leben.

es ist immer noch eine herausforderung to make ends meet.
aber ich liebe mein leben.
ich tu genau was ich will.

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