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ein offener brief an die exekutive

also, jetzt hab ich mich ja heute ganz schön ärgern müssen.
du fragst dich, warum?
bestimmt fragst du dich warum!

gut okay, ich erzähls dir:

ich hab am montag mittag mein radl beim neuen rathaus an ein geländer gekettet. wie immer. nach einem laaangen tag, ein paar wiedersehens-stamperln schnapps mitm bog und einem guten, deftigen essen beim wirtn bin ich – ja, man kann durchaus sagen – über die nibelungenbrücke gwoglt. aber keine angst, die frantschisi hatte mich fest im griff. das rad ist so gegen eins auch immer noch schön dort am geländer geparkt, als ich auf der anderen seite der brücke im duliö von drei spozis heimgeleitet werde. ich bin guter dinge, so insgesamt, und ahne nichts böses.

nun ist dienstag. ein weiteres langes tagerl steht mir bevor, nach einer kurzen nacht verschafft mir die morgendliche gesellschaft meiner görls den nötigen kick für den tag. ich knoz also bis umara halb acht im mediensalon und mache mich schließlich auf den weg gen radl. ich vermisse es schon, denn ich lasse den roten flitzer ungern und eigentlich nicht oft längere zeit aus den augen. ich hab ein bissi ein schlechtes gewissen, weil ich dem peter ja versprochen habe, nur mehr mit helm zu fahren. und ich hab zwar meine radlbeleuchtung im rucksack, aber hey, den helm hab ich zu hause. matt und doch auch ein bisserl müde stehe ich so alsbald vor meinem radl. ich traue meinen augen nicht, denn ich finde folgendes vor:

man hat meinem zweifelsohne fetten absperrer einen weiteren hinzugefügt. und eine feinsäuberlich verpackte aufforderung, doch zur abklärung des sachverhalts in die polizeiinspektion zu kommen. WTF? was ist hier los?

ich denke an dinge wie „oh mein gott, ich krieg ein organstrafmandat weil ich mit meinem radl falsch parke! ich habs ja an ein geländer gekettet und nicht sachgemäß im radlständer geparkt.“ ein wirrer gedanke jagt den nächsten und sofort beginnt die umgehende suche nach meiner schuld, meiner schuld, meiner großen schuld. komplett konfus lasse ich mich von franziska, aga und hanna einpacken und zum akakiko entführen. ich zermartere mir den kopf, warum mein radl amtsbehandelt wurde.

jetzt sind wir bei mittwoch. schon beim aufstehen kriege ich mich kaum ein – ich muss sofort zur polizeidienststelle in die kaarstrasse und die sache klären. alter. immerhin muss ich ohne rad alle meine wege zu fuß und mit öffis zurücklegen. du kannst dir vorstellen, dass ich auch ein bissl anbissn bin. das erstaunen des gestrigen abends hat sich in einen durchaus angriffslustigen zustand gewandelt. das soll mir erst mal jemand erklären, denn ich bin mir eigentlich keiner schuld bewusst! all die am abend zuvor plausibel scheinenden delikte gegen die stvo (zum beispiel anketten abseits von radlständern) sind nun keine mehr. und ich weiss, dass ich recht habe und mir mit meinem flitzer nichts zu schulden kommen lassen hab. abgesehen von unverschämt gut ausschauen mit radlhelm.

ich also rein in die dienststelle kaarstrasse. die anwesende polizeibeamtin ist streng aber nett, ich solle doch kurz warten, sie verständige umgehend den kollegen, der mein bike noch einen deut fester am geländer anmontiert hat. der kollege ist auswärts und ich kann nicht so lange warten. ich lasse meine visitenkarte dort und kritzle einen vermerk für den herrn inschbekta hinten drauf. unbefriedigt (dass mir jetzt ja keine depperten kommentare kommen, gell?) verlasse ich die polizeiinspektion und überlege auf anraten des radfachspezialisten meines vertrauens ><{{{*>, mir eine eisensäge zu kaufen.

der herr inspektor, dessen namen ich hier nicht explizit nennen werde, meldet sich gegen halb zwölf bei mir. auch er ist eh ein netter und tut ja nur seine arbeit. es wär bitte folgendes: offenbar hat eine dame behauptet „heeeey, des is MEI radl, des hams ma vor 2 wochen gstoin!“ und ist zur polizei marschiert. in windeseile war mein radl fest fixiert und ich ab sofort in beweisnot: man könne es nicht einfach so wieder freigeben, ich müsse schon beweisen, dass das mein bike sei. ich hätte doch bestimmt eine rechnung aufgehoben.

was?
WAAAS?!
WTF???

WARUM liegt die beweislast in so einem fall bei mir??

WARUM soll ich eine rechnung [in schilling!] von 1998 aufbewahren von einem billigbike, damit man mir mein radl nicht auf verdacht wegnimmt?

WARUM muss ich hebel in bewegung setzen um MEIN eigentum wieder uneingeschränkt benutzen zu können? zahlt mir jemand die tageskarte der öffis, nachdem ich mein radl nicht benutzen kann? nein. darauf bleib ich sitzen, wie mir der herr inspektor später erklärt. ich bin höflich aber bestimmt und fordere die telefonnummer jener dame, die in meinem radl ihr vermeidlich gefladertes wiedererkannt hat. die darf mir nicht weitergegeben werden. welche überraschung.

nun ist in meinem fahrrad eine nummer eingestanzt und mit dieser nummer ist das radl bei der polizeidienststelle freistadt auf meinen namen registriert. gut, denk ich mir, nachdem ich den herrn inspektor ausreichend zugeschwallt hab und er am anderen ende der leitung immer stader und einsilbiger wird, lass ich ihm noch ein stunderl, um die sache mit dem posten in freistadt abzuklären. ich bin ja jetzt sowieso schon unterwegs und das radl brauch ich realistischerweise erst am abend. ich erzähle dem ob meines redeschwalls auch etwas eingeschüchtert wirkenden officer auch, dass mich das bike dokumentierterweise seit jahren begleitet und sage ihm meine url durch. der arme. da ist er an die falsche geraten. weil jetzt geht es mir ums prinzip! franziska und hanna lauschen mit großen augen meinem monolog zum thema beweislast und persönlichem eigentum, den ich etwas resolut dem herrn inspektor halte. ich bin darüber auch durchaus amüsiert und rede mich sogar ein wenig in rage!

meine mama mischt sich jetzt auch noch ein (sie ist eh eine ganz eine liebe, und irgendwoher muss ich ja mein aufmüpfiges wesen auch haben), fährt auf den posten in freistadt und macht radau, weil die im bike eingestanzte nummer bisher nicht verifiziert werden kann. die liste der registrierungen ist in freistadt offenbar bisher nicht auffindbar und ich kann somit nicht schlüssig beweisen, dass das rote schnuggi mein rotes schnuggi ist.

lange rede, ja ich weiss.

aber es gibt ein happy end.

mittwoch am frühen abend meldet sich der herr inspektor nochmal bei mir und sagt mir, dass mein radl nun wieder entsperrt sei. ich bedanke mich höflich und kaue ihm nochmals das ohr ab, denn mir geht es immer noch ums prinzip und ich sehe beim besten willen nicht ein, warum ich hier meinen anspruch beweisen muss und dies nicht umgekehrt der fall ist und man die beschwerdeführerin in die mangel nimmt. ich labere und labere und werde energischer und irgendwann merke ich, dass mir der herr inschbekta tatsächlich irgendwie leid tut. der arme muss sich jetzt auch noch mit einer resoluten lady rumschlagen, die sich nämlich nicht alles gefallen lässt.

aber nix für ungut.

ich schließe gegen 18 uhr mein baby wieder in die arme – okay, zwischen die schenkel – und düse heim. sweety, how have you been? war dein tag auch so aufreibend wie meiner? erzähl mal!

6 wortspenden: “ein offener brief an die exekutive”

  1. herta meint dazu:

    suuuuppiiiiiii !!!!!!!
    recht host ghobt……bin stolz auf di….

  2. dmc meint dazu:

    ich würd da nochmal vorbei schaun und mir die öffi-tickets zahlen lassen.
    wenn die dame, die dein radl gern haben wollte, nicht mit der eingestanzten fahrrd-id in verbindung gebracht werden kann/konnte, dann sehe ich aber sowas von KEINEN dringenden tatverdacht und damit einher gehend sowas von GARKEIN recht der cops dein radl ortszubinden und dich deiner mobilität zu berauben.
    wo führt denn das hin, wenn exekutivbeamte alles anbinden und fixieren, auf das irgendjemand unbegründet besitzansprüche stellt?!?

  3. Alex meint dazu:

    In Salzburg wäre das nicht passiert.

    Einem Freund von mir wurde das Rad geklaut. 2 Wochen später fand er es mit irgendeinem Radlgschloss am Radlständer der Uni angekettet wieder. Wir haben die Polizei gerufen und gefragt, was nun zu tun wäre.
    Die zwei Beamten fragten nach Beweisen, die das Eigentum belegen würden – bei einem 50Euro Radl, des schon tausend Vorbesitzer hatte.

    Sie telefonierten mit ihrer „Rechtsabteilung“ (was auch immer das is) und haben folgendes empfohlen:

    1. Mein Freund sollte zur nächsten Polizeiwache gehen und den Diebstahl (den vor 14 Tagen) anzeigen.
    2. Dann sollte er sein Rad am Radlständer finden und es sich wieder nehmen (was augenzwinkernderweise natürlich keine Aufforderung zum Schlossaufzwicken war!).
    3. Dann sollte er bei der Polizei melden, dass er sein Fahrrad wieder gefunden hätte und die Anzeige zurücknehmen wolle.
    4. Sollte der echte Eigentümer / Dieb seinerseits den diebstahl melden, müsste mein Freund mit einer Kontaktaufnahme durch die Polizei rechnen.

    Is auch irgendwie ned soo cool, aber besser als dein Spießrutenlauf ises allemal!

  4. Alex meint dazu:

    @dmc:

    Das würde zu einem Spitzenumsatz der Fahrradschloss Hersteller führen… und die Kiberei wäre der beste Kunde! ;-)

  5. dmc meint dazu:

    mir is da nochwas eingefallen gerda:
    geh zum posten und behaupte, dass das deine räumlichkeiten sind und lass das gebäude schliessen, bis völlig klar belegt ist, wer im recht is. :)

  6. gerda meint dazu:

    hahahaaa!!
    gfoid ma, dmc!

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