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tag und feiertag

es kam regelmäßig vor, da konnte ich einen feiertag nur daran erkennen, dass ich wutentbrannt und ohne kleingeld vor der geschlossenen tschickeria stand. und dass ich um sechs uhr morgens als einzig nüchterne in der bim am weg zur arbeit war.

es hat sich viel geändert.

ich glaube, ich hab mich sehr verändert in den letzten monaten. wie man sich bettet, so liegt man, nicht war? ich hab viel drüber nachgedacht in letzter zeit und ich bin zu dem schluß gekommen, dass dieses bedürfnis, endlich erwachsen zu werden, nicht mal so unfreiwillig aufgekeimt ist. klar, es ist mir viel verantwortung aufs aug gedrückt worden, eine verantwortung, die ich im grunde auch gerne abgegeben hätte. ich hätte sie gerne mit meiner störrisch-grungige attitüde weggefuchtelt und mich aufgeführt wie ein unreifer teenager. und ja, meine kunstunistudentinneneinstellung schlägt mir gerade hier sehr oft ein schnippchen im alltag, den ich doch mittlerweile sehr gerne selbstbewußt und zielsicher als grownup bestreiten würde. vergleiche ich mich mit anderen studenten und studentinnen der kunstuni, dann schneide ich im reality check ausgesprochen gut ab. wenn ich aber mit anderen menschen in meinem leben vergleiche ziehe … hui, dann stinke ich total ab in punkto erwachsenwerden und erwachsensein.

aber ich bin mit herz und hirn dabei und stehe ziemlich selbstbewußt da. und ehrlich, das gabs noch nie. gerade diese herz/hirn-kombi ist was, das mir relativ neu ist und mit dem ich als rookie natürlich auch schwierigkeiten habe. aber ich bin mir sicher, dass ich somewhere along the line mit dieser kombi besser fahren werde als mit meinem kopflastigem technikerinnenbewußtsein alleine.

von meiner kleinstadt bis hierher war es ein weiter weg,
ich bin so wertvoll wie ein kleines steak.

(ganz frei nach dem hier)

scheiße, diese herbstliche grundstimmung erinnert mich auch immer daran, dass mein geburtstag vor der tür steht. nicht auszudenken, welche selbstaffirmativen einträge ich dann erst schreiben werde! an der zeit, mir für diese paar tage ein gutes versteck zu suchen. wie jedes jahr.

2 wortspenden: “tag und feiertag”

  1. dmc meint dazu:

    ich würd ja das erwachsenwerden ganz einfach als „prioritäten verschiebung“ bezeichnen. und wenn sich die prioritäten in eine richtung verschieben und schieben lassen die sich gut anfühlt, dann passts. klar gibts einige, die meinen lebenswandel für langweilig halten und mit unverständtnis darauf reagieren, ich jedoch halt ihn für die logisch-positive konsequenz aus meiner doch sehr exzessiven vergangenheit.
    eigentlich hab ichs nie recht für möglich gehalten, aber ich bin tatsächlich grad dabei ein haus zu baun und zwar dort, wo ich immer hin wollt. weit weg von lärm und künstlichem licht, wo der schnee fast ein halbes jahr lang liegt… und wenn ich den fuss vor die haustür setz, dann hab ich ein bisschen das gefühl von kanada… ihr versteht…
    und dass ich papa werd, find ich sowieso jeden tag aufs neue… – ich weiß echt nicht, wie ich das gefühl beschreiben soll – …einfach wunderbar, flash, traumhaft, schön,… plötzlich fühlt es sich so an, als wär man dem sinn des lebens auf der spur… und die schon so oft von mir zitierten worte von such a surge verlieren plötzlich diesen negativen beigeschmack:

    „ich wollte nie erwachsen werden, doch ich glaub ich werd langsam alt“

    word, word
    peace
    props
    dmc

  2. gerda meint dazu:

    auch bei mir ist es ein „zur ruhe kommen“ nach sehr exzessiven mid-20ies-jahren. und ein „auf mich schauen“-lernen. zwar glaube ich im moment nicht, dass ich meine korrupten gene jemals an biologisch eigene buzis weitergeben will – so wie das jetzt vermehrt (haha, wortwitz!) in unserer immer noch lose verwobenen freistädterbande passiert … aber david, dein/euer nestbauen kann ich trotzdem gut nachvollziehen. familien lassen sich ja heutzutage zum glück auch auf anderem weg konstruieren, ich will da für mich garnix kategorisch ausschließen … du hast recht, es verschieben sich prioritäten und plötzlich fühlt sich auch erwachsen werden richtig an. tut ihr alle in der zwischenzeit schön hausbauen und kinder kriegen. und euch hoffentlich dabei selber finden, oder zumindest ein wenig den sinn des lebens!

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