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werbefallen

offensichtlich habe ich mein sozialistisch-punkiges antikonsum- und marktwirtschaftsattitude irgendwo zwischen 17 und 31 verloren, denn auf gute werbung spring ich jetzt total an.

es überrascht mich sehr, wie wenig konsum- und medienkritisch ich geworden bin.

seit zirka einem halben jahr fahre ich auch voll auf pflegeprodukte und cool gemachte werbungen derselben ab, eine sache, um die ich mich 30 jahre meines lebens in sehr unweiblichem ausmaß gekümmert habe. ein großer batzen niveacreme reichte mir immer völlig, doch jetzt laufe ich wie ein pawlowscher hund ins nächste geschäft, um diese gesichtsreinigungspads zu kaufen. zugegebenermaßen, ich finde sie ausgezeichnet. meine haut ist ein babypopo und man hat mir tatsächlich mehrmals gesagt, dass ich „so frisch“ aussehe. ohne scheiss.

wenn mich auch diese „raucher sterben früher“- slogans nur mehr mäßig berühren … okay, „rauchen läßt ihre haut altern“ gefällt mir garnicht, aber ich hab ja jetzt neutrogena pads.

meine biologische uhr fällt anscheinend total auf die unterschwellige message rein: „du bist eh noch jung und hipp, auch wenn du auf formularen im kasterl [25-35] dein kreuzerl machen mußt“

damn.

merkwürdig auch der plötzliche drang dazugehören zu wollen, wo ich doch seit ich teenager war immer nur anders als die anderen sein wollte. ich wollte anders aussehen, mich anders verhalten, anders denken, vor allem andere musik hören und mich so permanent abgrenzen. mit meiner „einsame wölfin“-einstellung bin ich auch meistens ausgesprochen gut gefahren, wäre mir da nicht hin und wieder herzschmerz und beziehungskram dazwischengekommen.

und jetzt hab ich mich bei den lokalisten registriert, als ich zum ersten mal deren tv-werbung sah, die sich augenscheinlich an hippe end20er richtet und irgendwie süß ist. schaut allerdings so aus, als ob ich dort relativ einsam sterben werde, weil diese lokalisten einfach kein schwein kennt.

ich sollte vielleicht wieder anders als die anderen sein wollen, das hat sich 15 jahre lang bewährt.

eine wortspende: “werbefallen”

  1. Gnal meint dazu:

    Eine TV-Werbung? Für eine Socializing-Plattform? Und ich dachte die Lokalisten wären voll der Underground.

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