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archiv: Juli, 2010

falls wer fragt, ich bin ins sommerloch gefallen

aber keine sorge: ich schmier mich eh fest ein.
rauskommen werd ich da jetzt erstmal ein weilchen nicht!

„In schwingenden Bewegungen bogenförmig durch das Schnittgut“ – für geübte Sensenmäher ein Leichtes, für Neulinge in der Handmäher-Zunft durchaus schwierig

nur eines der vielen dinge, die in den letzten vier tagen bei woodlab am programm standen:

Viele Großstadtgärtner greifen zur Sense – Das emissionsfreie Rasentrimmen hat aber auch seine Tücken – das zeigt sich bei einem Kurs im Mühlviertel
Linz – „Wetzen immer nur ohne Kraft, einfach streicheln. Und nie über die ganze Länge – da kannst dich so schneiden, dass du an Ort und Stelle verblutest.“ Karl Katzinger lächelt, die kleine Gruppe rund um den 56-Jährigen nicht. Erste Zweifel scheinen aufzukommen, ob die Entscheidung, einen Sensenkurs für Anfänger zu buchen, klug war. Katzinger beruhigt: „Na, na – sterben wird heut keiner. Man muss halt aufpassen, so eine Sense ist im Idealfall rasiermesserscharf.“ Dass der Experte die Frage nach der Anwesenheit eines Erste-Hilfe-Koffers mit einem klaren Ja beantwortet, trägt wohl zur Beruhigung entscheidend bei.

Die Gruppe umfasst an diesem Donnerstagnachmittag fünf Personen. Junge Menschen aus Linz und Wien, die mit dem Benzinrasenmäher gebrochen haben und künftig mit einer Sense das Gras vor der Haustüre stutzen wollen. Karl Katzinger bietet in seinem Veranstaltungszentrum „Garage Drusbha“ in Harrachstal im oberen Mühlviertel seit geraumer Zeit einen Kurs im Sensenmähen und Dengeln an. Vorwiegend für Großstädter.

„Die Landmenschen sind alle ganz narrisch auf an Rasenmäher. Wurscht, ob das furchtbare Teil jetzt laut ist oder stinkt. In der Großstadt ist das Sensemähen in den letzten Jahren richtig in geworden“, erzählt der Künstler und Hobbylandwirt. Warum das so sei? Katzinger: „Du brauchst weder Benzin noch Strom, die Sense kaum Platz und du darfst auch am Sonntag mähen.“

Pech mit Blech

Die Gruppe hat inzwischen auf den Dengelbänken Platz genommen. Das Vertrauen in die Anfänger ist aber beim Sensenmeister offensichtlich enden wollend: „Bitte, ich geb euch jetzt noch nicht die guten Sensen.“ Katzinger reicht der Gruppe kleine Metallplättchen. Kurze Zeit später ist man schon um eine Erfahrung reicher: Der Dengelhammer ist schwer, das Blech möglichst nur am äußeren Rand zu treffen noch schwerer.

Dennoch ist genau das die Grundvoraussetzung für die spätere Schärfe. „Es geht um die Kombination. Immer zuerst richtig dengeln, dann erst mit dem Naturwetzstein drüber. Viele wetzen nur und dengeln nie – da kannst die Sense nach einem Jahr in den Kübel schmeißen. Eine gesunde Sense braucht Spannung und eine gerade Linie.“ Die Praxis sieht anders aus. Franziska sitzt ratlos vor ihrem Blech. Wellen und eine eindeutig zu breite Kante sind das Ergebnis der ersten Dengelrunde: „Gar nicht so leicht. Aber mich interessiert das Sensenmähen. Schon mein Opa hat das gemacht, und ich will diese Tradition auch einmal weitergeben können“.

Es ist Zeit den Dengelstock zu verlassen und sich der Wiese zu nähern. Karl Katzinger geht in Position. Ein eleganter Schwung, ein bedrohliches Pfeifen als die Sense durch das hohe Gras zieht. „So macht man das“, muntert Katzinger den Nachwuchs auf. Kursteilnehmer Markus bringt sich in Stellung, der Rest der Gruppe in Deckung. „Nur net zu weit ausholen“, mahnt Katzinger. Und es funktioniert: Gras fällt, und der Stadtmensch ist glücklich. Luger: „Ich werde meine Verwandten überraschen und den Rasen daheim mit der Sense mähen.“

Franziska hat neben dem Gras auch Teile des Erdreichs abgetragen: „Karl, ich bleib immer hängen mit dem Ding.“ Katzinger: „Du mähst zu weit am Boden“. Kurze Zeit später trifft man sich wieder bei der Dengelbank. Diesmal schwingt aber nur der Meister selbst den Hammer. Es gilt nach dem Laienausflug ins Gras ungewollte Begegnungen zwischen Sensenblatt und Mühlviertler Granit auszudengeln. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Printausgabe, 3. Juli 2010)

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