bücher

Bernadette Schiefer
Kleine Erzählungen am Rande
(Triton)

Klar, der Titel ist kokett. Dass ein Buch, mit diesem Titel keine kleinen - im Sinne von unbedeutenden - sondern allerhöchstens kleine - im Sinne von kurzen - Erzählungen enthält, ist zu hoffen. Und man hofft in diesem Fall mit Berechtigung. Denn bereits das Debüt Schiefers machte Lust auf mehr und wurde einhellig positiv besprochen.

Handelte es sich bei "Reise mit Engel Nirgendwohin" um eine durchgehende, sprachlich dynamische Erzählung, so besteht das neue (Hardcover-)Buch aus 15 unabhängigen Geschichten, die kein Wort zu viel oder zu wenig enthalten, die kompakt und präzise verschiedenste Themenkreise behandeln aber sich beständig um eine Konstante drehen und zwar: flüchtige Beziehungen. Die zu erwartende Grundstimmung, wird durch die an den Anfang gestellten Zitate trefflich vorweg genommen.

"Man wird sagen, wir hätten viel Schmerz im Auge, dem einen Auge und auch im anderen viel Schmerz und in allen beiden, wenn wir sie auftun, viel Schmerz... Na und...! Sicherlich...! Was weiter...! Kein Wort mehr!" (César Vallejo in der Übersetzung von H. M. Enzensberger). Lediglich die letze Erzählung schert diesbezüglich etwas aus, doch ist auch in dieser zu ahnen, dass dem "himmelhoch Jauchzen" das "zu Tode betrübt" im Nacken sitzt.

Ohne die diversen Konstellationen zu verraten sei festgehalten, dass Schiefers Erzählungen nicht nur von Reisen in alle Welt, sondern auch durch sehr wache, feinfühlige Reisen in das Innere der Figuren genährt werden. In anderen Worten: Bernadette Schiefer verpackt von Melancholie getragene Reflexionen in sprachlich klar gestaltete Texte. Die Erzählweise ist klassisch, ja nahezu konservativ. Die Geschichten können mit dem Attribut zeitlos versehen werden, da sie beinahe gänzlich ohne explizite Bezüge auf Aktuelles bzw. Vergängliches (von Smashing-Pumpkins-Referenzen abgesehen) auskommen. Das ist deshalb gut, weil es konsequent verfolgt wurde und die Erzählungen dadurch irgendwie allgemeingültig werden und langfristig funktionieren dürften.

(7/10) Markus Köhle
(Diese Rezension ist in the gap erschienen)

 

 
© Markus Köhle